Verfolgung in Eritrea - Christen werden als Feinde betrachtet

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Christen werden als Feinde betrachtet

Eritreas Geschichte ist durchzogen von Kriegen mit dem benachbarten Äthiopien. Die Grenze zwischen beiden Ländern ist sehr lang, obwohl Eritrea flächenmäßig viel kleiner ist als der "Erzfeind". Dies ist einer der Gründe, warum die Regierung alle Gruppierungen als gefährlich einstuft, die sich ihrer Kontrolle entziehen. Christen, die traditionellen Kirchen angehören, lassen sich in einem gewissen Maß kontrollieren – anders als Christen aus unabhängigen, in den Untergrund gedrängten Kirchen. Ein Regierungsbeamter hat öffentlich verkündet, dass Eritrea drei Feinde ausmerzen müsse: 1. HIV/Aids, 2. Das äthiopische Regime und 3. unabhängige Christen. Aus diesem Grund werden Christen abseits der traditionellen Kirchen im ganzen Land bekämpft.

Tausende von Christen in Haft

Die Häufigkeit und das Ausmaß von Gewalt gegen Christen außerhalb der traditionellen Kirchen sind beträchtlich. Zu den bekannten Schreckensmeldungen gehören Berichte von Metallcontainern, die in Armeelagern als Gefängnisse dienen und versteckten Gefängnissen, zu denen gewöhnliche Bürger keinen Zutritt haben. Die Zahl der in solchen Lagern gefangen gehaltenen Christen ist nicht bekannt. Im Weltverfolgungsindex 2012 wurde die Zahl von 1.500 Christen genannt. Open Doors Experten geben an: "Die Verhaftungen von Christen wurden fortgesetzt, sie geschahen oft spontan, an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Umständen, die von der Regierung als illegal betrachtet werden. Unseren Informationen nach entspricht die Zahl der Entlassenen in etwa der Zahl der neu Inhaftierten." Allerdings ist es schwierig, derartige Zahlen zu verifizieren, denn aus religiösen Gründen Inhaftierte werden in Eritrea nicht nur in bekannte Gefängnisse und Lager gebracht. Aus demselben Grund ist es schwer festzustellen, wie viele Christen in Haft sterben,oder unmittelbar vor ihrem Tod entlassen werden, damit die Regierung offiziell jede Schuld von sich weisen kann. Sicher ist die Zahl von 31 Christen, die im Berichtszeitraum während ihrer Haftzeit gestorben sind.

Islamisierung nimmt zu

Die islamisch dominierten Gebiete in der östlichen Küstenregion grenzen an Bereiche Äthiopiens, wo der Islamismus stark auf dem Vormarsch ist. Die islamisch dominierten Gebiete im westlichen Tiefland grenzen an den Sudan, ein Land mit ähnlich starken islamistischen Tendenzen. Wird sich Eritrea zukünftig ebenfalls einer islamisch extremistischen Agenda verschreiben? Die Antwort auf diese Frage hängt mit dem Druck zusammen, den die Regierung auf Christen wie auch Muslime ausübt. Einige erfahren schlimme Misshandlungen, viele Angehörige registrierter Kirchen oder des Islam werden jedoch toleriert, solange sie in ihren Kirchen und Moscheen bleiben und dem Regime keinen offenen Widerstand leisten. Genau hier liegen die entscheidenden Hinweise verborgen, die zur Einschätzung der künftig zu erwartenden Verfolgung in Eritrea dienen.